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Niedergründau um 1827 Niedergründauer Zeittafel Anton Calaminus

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Niedergründau um 1827

Situationsbericht von Senator Cassebeer zu Gelnhausen veröffentlicht in der
Landwirthschaftlichen Zeitung für Kurhessen, Monat Februar 1827.

Niedergründau:

(Niederngründau; Niedern Grind). Dorf am Gründaubach, 1 1/4 Stunde von Gelnhausen, 4 Stunden von Hanau, welches mit Einbegriff des Mittelgründauer Hofes und der dortigen Ziegelhütte 83 Häuser und 568 Einwohner, worunter 15 Juden, zählt.
Nahe dabei auf einem Berge stehet die Bergkirche.
Es ist ein Schulgebäude, ein Wirthshaus und eine Ziegelhütte hier.
Der Ort hat außer den gewöhnlichen Professionisten auch einige Strumplweber.
Öffentliche Brunnen zählt der Ort keine, jedoch finden sich 32 Ziehbrunnen und Pumpen, die von den Nachbarn unterhalten werden.
Einen Springbrunnen hat der Mittelgründauer Hof.
Gemeindsbacköfen sind nicht vorhanden.
Die Zahl der Taglöhner ist unbestimnmt, weil vom Tagelohn allein sich kein Einwohner ernähren kann.
Fremde Knechte sind 5, und fremde Mägde 4 dermalen hier.

Der Gespannhalter sind 52, welche zusammen 80 Pferde und 54 Stück Zug-Rindvieh besitzen.
Die Viehheerde besteht aus beinahe 200 Kühen, 1 Farren und über 200 Schweinen.
Die Pferdezucht liefert jährlich 15 bis 20 Fohlen.
Der Pfirch ist 350 Schafe stark.
Die Gänseheerde zählt über 400 Stück.
Die Bienenzucht ist unbedeutend und sind in diesem Augenblicke 16 Körbe hier.
Man rechnet, daß 40 Ziegen hier gehalten werden, eine Anzahl, die offenbar schädlich ist.
Thierarzt ist keiner vorhanden.
Ein Blutzehnte wird der Standesherrschaft von Lämmern und Gänsen gegeben.
Die Beholzigung ist mit Roth gleichförmig, eben so die Beziehung des Bauholzes.
Die Düngungs- und Reizmittel sind jenen in Gelnhausen gleich.
Das Laubrechen ist auf gewisse Tage beschr"nkl.
Der Wagen voll guten Mistes kostet hier 2 fl. 30 Xr.
Die Stallfütterung ist eingeführt, leidet indessen Noth durch den Mangel an Brennereien.

Die Gemarkung gränzt gegen Osten an das Liebloser-, gegen Mittag an das Rothenberger-Feld, gegen Abend an den Hüttengesässer Gemeindswald und gegen Mitternacht an die Mittelgründauer Feldgemarkung. Sie bestehet aus: 616 Morgen 3 Viert. 6 3/4 Ruthen Wiesen, 1908 Morgen 2 Viert. 26 1/4 Ruthe Ackerfeld, wovon jedoch beiläufig 42 Morgen bereits zu Weinbergen angelegt sind, und 37 Morgen 3 Vrt. 3 1/4 Ruthen Baum-, Gras- und Krautgärten.
Hierzu kommen noch die standesherrschaftlichen zum Miltelgründauer Hofgut gehörigen 10 Morgen 3 Vrt. 5 l/2 Ruthe Wiesen und 25 Morgen 47 3/4 Ruthe Äcker.
(Nach dem Messbuch-Extrakt soll der Ort einen Gemeindswald, der Bomberg genannt, haben, 100 Morgen 1 Viertel 34 1/4 Ruthe groß.)
Der standesherrschaftliche Wald in hiesiger Terminei, die Streithecke und Tannenköpfer genannt, ist 351 Morgen 1 Vrt. 28 3/4 Rulhen groß.
Die Gemarkung ist durch den Gründaubach bewässert und zählt viele Quellen, die durch Abzugsgräben abgeleitet werden.
An der Bergkirche bricht man Schieferthon und Thonsandstein; auch siehet man im sogenannten Ochsenbergsfelde einige Sandkauten.
Töpferthon gehet am letzteren Orte und im sogenannten Weiherfelde zu Tage.
In der Nähe des Dorfes, in der Richtung nach Neuwiedermuss, sind Spuren von Braunkohlen auf der Erdoberfläche vorhanden.

Der Boden ist hier lehmig, theils lettig, und an verschiedenen Stellen sehr fruchtbar.
Ein rother mürber Schieferthon (sogenannter Leberstein), welcher sich sehr gut zum Weinbau eignet, gehet unter und an des Bergkirche zu Tage.
In Niedergründau ist regelmäßige Dreifelderwirtschaft.
Der Weinbau gewinnt hier neues Leben.
An Getreide, Kartoffeln und Obst hat die Gemeinde Überfluß, der Rapsbau will indessen hier keine Fortschritte machen.
Tabak, Hopfen, Mohn, Wälschkorn werden nicht gebaut, Hanf und Lein hingegen bedeutend.
Der Kleebau, so wie der Anbau der Hülsenfrüchte, ist hier allgemein.
Zur grünen Düngung wendet man Wicken und Erbsen an.
Den Zehnten erhebet die Standesherrschaft.
Außer dem Mittelgründauer Hof sind keine Hofgüter hier.
Die Feldwege sind der Verbesserung sehr noch bedürftig, jedoch herrscht in diesem Punkte hier besondere Thätigkeit.
Die Feldpolizei veranlaßt viele Klagen.
Der Niedergründauer Wein dürfte, seines Ursprungs zufolge, dereinst zu den vorzüglichsten Sorten zu rechnen seyn.
Der Boden unterhalb der Bergkirche, auf welchem man die Weinberge angelegt hat, ist zum Weinbau besonders geeignet, und die Trauben sind mehrentheils Riesslinge.
Im Jahre 1822 brach man hier die ersten Trauben seit der Regeneration der hiesigen Weinberge.